Jetzt haben wir den Salat: Veganer in Deutschland

Wie viele Deutsche sind vegan?

Ganze 7 Millionen Vegetarier gibt es nach Angabe des Vebu (Vegetarierbund Deutschland e.V.) im Moment in Deutschland. Das sind immerhin 8-9% der Bevölkerung. Veganer sind es etwas weniger, aber auch diese kommen auf eine stolze Anzahl von rund 1,2 Millionen, d.h. 1,5%. Dabei hat die Zahl der Vegetarier in Deutschland von 2006 bis 2014 nur mäßig zugenommen, von 6 Mio. auf 7 Mio. Menschen, also um ca. 15%. Dahingegen haben sich die Veganer von geschätzten 80.000 im Jahr 2006 auf nunmehr 1,2 Millionen Menschen, also auf das 15-Fache vermehrt. Bereits jeder elfte Bundesbürger ist generell am Thema vegane Ernährung interessiert und zwei Drittel haben sich in den letzten zwei bis drei Monaten mindestens einmal mit dem Thema rund um die pflanzliche Ernährung beschäftigt. Insgesamt sind mehr Frauen als Männer Veganer und man kann sagen, je höher der Bildungsgrad ist, desto eher die Wahrscheinlichkeit, Veganer zu werden.

Infografik: Veganer in Deutschland
 

Wie wird der Veganismus in Deutschland organisiert?

Organisationen in Deutschland, die sich für den Veganismus einsetzen, sind zahlreich. Allen voran gibt der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) als wohl bekannteste Organisation der vegetarischen Idee eine Stimme in der Öffentlichkeit. Der VEBU organisiert Kampagnen, nimmt gesellschaftlichen Einfluss und ist mit anderen Organisationen, wie z.B. der Klima-Allianz, vernetzt. Daneben gibt es noch die Vegane Gesellschaft e.V., dessen Vorsitzender Christian Vagedes ist. Diese setzt sich für die Förderung und Verbreitung der veganen Lebensweise im Interesse der Tiere und der Menschen ein. Sie strebt eine friedfertige Welt an, in der es keine hungernden Menschen und keine unter den Menschen leidende Tiere und Natur mehr gibt. Über Deutschlands Grenzen hinaus reicht PETA, die deutsche Schwestern-Organisation der US-Organisation People for the Ethical Treatment of Animals, welche für Themen wie Tierschutz und Tierrechte zuständig ist. Aber auch der Bund für vegane Lebensweise fördert die Bekanntmachung Lebensweise für Veganer. Er betreibt intensive Aufklärungsarbeit über die Vorteile, die diese Ernährungs- und Lebensweise für die Tiere, die Menschen und die Umwelt bietet. Dazu gehören auch Aspekte wie Tierethik, soziale und wirtschaftliche Menschenrechte, Gesundheit und Umweltschutz. Darüber hinaus gibt es zudem lokal agierende Organisationen wir z.B. die Albert-Schweitzer-Stiftung, Berlin-Vegan, Veganice, Hof Butenland, welche allerdings lediglich eine Stiftung für Tierschutz ist.

Warum ist bzw. isst der Deutsche vegan?

Man kommt nicht als Veganer auf die Welt. Wenn die Eltern nicht von Kindesbeinen an den Veganismus fördern, wird man in der Regel erst im Laufe des Lebens zum Veganer. Manchmal deshalb, weil Berichte über die Tötung von jährlich 1 Milliarde Landlebewesen und Milliarden von Meeresbewohnern ein Umdenken hervorrufen. Denn auch Tiere lieben ihr Leben. Nach Auffassung von Veganern ist die Aufzucht von Tieren in Tierfabriken nämlich grausam und eine ökologische Katastrophe. Veganismus ist deshalb eine Möglichkeit, hiergegen vorzugehen und sich für die Umwelt und Tierrechte einzusetzen. Andere Veganer sind der Ansicht, das Essen von Tieren ist schlecht für die Gesundheit. Menschen, die tierische Produkte konsumieren, tragen nämlich ein 40 Prozent höheres Risiko, an Krebs zu erkranken sowie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Fettleibigkeit, Blinddarmentzündung, Osteoporose, Arthritis, Diabetes und Lebensmittelvergiftung. Hinzu kommt, dass Fleisch Ansammlungen von Pestiziden und anderen Chemikalien enthält, die bis zu 14mal konzentrierter sind als in pflanzlichen Lebensmitteln. Will jemand sich und seiner Gesundheit somit Gutes tun, sollte er Veganer werden. Natürlich ist es gerade für den Einstieg in den Veganismus hilfreich, wenn viele gewohnte Nahrungsmittel durch vegane Alternativprodukte ersetzt werden können. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Möglichkeiten, vegan einkaufen zu gehen. Das Veganz ist dabei nur eine Anlaufadresse von zahlreichen Supermarktketten für Veganer, die keinen eigenen veganen Garten haben.

Teenie-Tick oder ernstzunehmender Lebensstil?

Ist Veganismus nur eine Phase, die vergänglich ist oder bleibt man lebenslang Veganer? Menschen, die sich als Veganer bezeichnen, gibt es nämlich immer mehr in Deutschland. Also doch eine ernst zu nehmende Tendenz? Wie weit geht der Veganismus denn wirklich bei Menschen, die sich als Veganer sehen? Für manchen Vertreter der veganen Massenbewegung bedeutet Veganer sein nämlich lediglich der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel. Aber über den Verzicht in der Ernährung geht mancher "Veganer" dabei nicht hinaus. So würden diese Veganer in ihrer Not an einem schwülen heißen Sommertag durchaus auf eine Fliegenklatsche zurückgreifen, um sich Linderung zu verschaffen. Auch würden diese Menschen weiterhin ein normales Tattoo-Studio aufsuchen um sich mit Farbe, die tierliche Bestandteile wie Schellack, tierliches Glycerin oder Knochenkohle enthält, ein Tattoo stechen zu lassen. Abgesehen davon erlebt aber auch der vegane Boom in der Tattooszene einen Aufschwung und es gibt immer mehr vegane Tätowiermittel von veganen Farbherstellern. Demgegenüber steht der Hard-Core-Veganer, der Tiere, Umwelt und sich selbst als Mensch schützen will. Für ihn ist es nur konsequent, seine Lebensweise der verfolgten Ethik komplett zu unterwerfen. Deshalb wird nicht nur die Ernährung auf vegane Vorgaben hin ausgerichtet. Vielmehr zieht sich bei diesen Veganern der Veganismus durch sämtliche Lebensbereiche hindurch. Hobbies wie Angeln sind tabu und Kleidung wird nur aus Kunstleder und Mikrofaserprodukten statt echtem Leder angezogen. In der Kosmetik wird nur auf bestimmte Produkte zurückgegriffen und im Winter wird auf Daunendecken verzichtet. Für diese Menschen ist der Veganismus eine Art Philosophie, der sie ihr gesamtes Leben widmen. Wie viele es von der jeweiligen Art allerdings gibt, ist schwer zu sagen.