Vegan leben: Top oder Flop

Vegan ist Trend:

 

Fast jeder kennt mittlerweile einen Veganer in seinem Bekanntenkreis, der seine Lebensweise in eine spezielle Richtung lenkt. Kein Fleisch, keine Milch, keine Eier und lieber Kunstleder und Mikrofaserprodukte statt Leder. Sogar auf bestimmte Kosmetika sowie Fliegenklatschen und Insektenkiller verzichten Menschen, die wirklich vegan leben. Für den Großteil der 80 Millionen Deutschen ist dieses Verhalten der ca. 0,8 Millionen Veganer unverständlich. Dabei ist dieser Ernährungstrend gar nicht neu. Der VEBU, die größte Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen, wurde bereits 1892 in Leipzig gegründet. Seit der Gründung setzt sich der VEBU dafür ein, dass mehr Deutsche ihren Fleischkonsum reduzieren und sich dafür entscheiden, vegan zu leben. Und das Bewusstsein für eine umsichtige Ernährung im Hinblick auf Umwelt und Tiere ist über 100 Jahre später tatsächlich gestiegen. Inzwischen richten sich sogar Weihnachtsmärkte auf die vegane Lebensweise aus. 2016 fanden in verschiedenen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg, Krefeld, Aschaffenburg, Dresden oder Würzburg vegane Weihnachtsmärkte statt.

Gründe für ein veganes Leben

 

„Warum sollte ich auf viele Freuden im Leben verzichten?“ Das fragen sich in Deutschland natürlich diejenigen, die weiterhin Fleisch, Käse und andere tierische Erzeugnisse auf dem Ernährungsplan stehen haben. Der Fleischkonsum liegt mit rund 60 kg pro Kopf und Jahr in Deutschland deutlich höher als der weltweite Mittelwert von 43,1 kg. Die Zahlen der Fleischproduktion bestätigen ebenfalls, dass die Deutschen immer noch eine ganze Menge Fleisch konsumieren. 2015 wurden 8,22 Millionen Tonnen produziert, 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem die Schweineproduktion ist angestiegen.
Und genau darum geht es vielen Veganern in letzter Konsequenz. Denn weniger die Ernährung steht bei ihrer Entscheidung, vegan zu leben im Vordergrund, sondern vielmehr die Ethik und Lebensart, auf welcher der Veganismus basiert. So versuchen sie, so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden. Sie möchten darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen fördern, was letztlich Menschen, Tieren und der Umwelt nutzt. So hat eine vegane Ernährung positive Folgen für die Umwelt, weil für eine geringere Fleischproduktion auch weniger Ressourcen (Wasser, Land, Luft, Energie und Naturfläche) benötigt werden und die Umwelt weniger verschmutzt wird. Zudem sind viele Veganer Unterstützer von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), welche mit mehr als drei Millionen Unterstützern die weltweit größte Tierrechtsorganisation ist.


Wann sollte man vegan leben?


Zahlreiche Studien belegen es. Menschen, die auf tierische Produkte verzichten, leiden seltener an:

•    Übergewicht
•    Bluthochdruck
•    erhöhten Blutfettwerten
•    Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs und Diabetes
•    erhöhtem Harnsäurespiegel durch Purine

Bei Menschen, die vegan leben, ist die Hautalterung verringert, der Bewegungsdrang gestärkt und es treten seltener Hautunreinheiten auf. Neben der gezielten Nahrungsauswahl liegt dies aber sicherlich auch an der insgesamt gesunden Lebensweise. Vegetarier und Veganer trinken im Durchschnitt weniger Alkohol, rauchen seltener und bewegen sich regelmäßiger. Viele Veganer berichten, dass nach ihrer Umstellung auf eine vegane Lebensweise Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gicht und Übergewicht nachgelassen haben. Deshalb ist vegan zu leben eine Möglichkeit, die man neben der herkömmlichen Medizin durchaus in Erwägung ziehen sollte, wenn man chronische Beschwerden hat.


Wie gesund ist vegan?


Wer sich entscheidet, vegan zu leben, muss eine bestimmte Ernährung und Lebensweise einhalten, bei der primär pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse auf dem Teller landen. Diese Nahrungsmittel haben keinen tierischen Ursprung, weshalb Veganer unter Umständen nicht genügend Eiweiß, Eisen, Kalzium, Jod und Vitamin B12 zu sich nehmen. Ebenfalls häufig ist ein Mangel an Vitamin D und B2. Um diesen Nachteil des veganen Lebens entgegen zu wirken, sollten Veganer darauf achten, Nährstoffe, Mineralien und Vitamine z.B. durch Mischkost zu sich zu nehmen. Alternativ können auch Nahrungsergänzungsmittel helfen. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) rät bei einer veganen Ernährung dazu, dauerhaft ein Vitamin-B-12-Präparat einzunehmen.

Weitere Empfehlungen:
•    gezielter Konsum von nährstoffdichten und angereicherten Lebensmitteln
•    regelmäßige Kontrolle der Nährstoffversorgung durch einen Arzt
•    evtl. Nährstoffergänzung durch entsprechende Präparate
•    Beratung durch eine qualifizierten Ernährungsexperten

Die DGE rät zudem von einer rein pflanzlichen Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindes- und Jugendalter ab. Der Grund: Der Verzicht auf tierische Lebensmittel erhöht das Risiko für Nährstoffmangel und damit einhergehenden Gesundheitsstörungen.


Woher kommt vegan?

 

Das Wort "vegan" geht auf den Engländer Donald Watson zurück, der 1944 die Vegan Society gründete, welche eine Abspaltung der englischen Vegetarian Society ist. Dabei leitete Watson den Begriff des Vegetariers (engl.: vegetarian) nicht vom lateinischen vegetus ("lebendig, frisch, kraftvoll") ab, sondern von englisch vegetable ("Gemüse, pflanzlich"). Der Verzehr von Milchprodukten und Eiern, wie von vielen Vegetariern praktiziert, entsprach dabei aber nicht seinem Verständnis von Vegetarismus. Um jene Vegetarier zu bezeichnen, die auch Milchprodukte mieden, benutzte Watson zunächst den Begriff "total vegetarian" (deutsch in etwa: konsequenter, strenger Vegetarier). Als Abkürzung dafür prägte er dann aus dem Anfang und Ende von vegetarian die Wortneuschöpfung "vegan" (deutsch: Veganer), weil "Veganismus mit Vegetarismus beginnt und ihn zu seinem logischen Ende führt."


Was ist der Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern?

 

Zwischen Vegetariern und Veganern gibt es einen großen Unterschied. Während die einen auf tierische Produkte nicht völlig verzichten, gibt es bei den anderen nur Pflanzennahrung und Rohkost. Als Vegetarier isst man nichts, was von toten bzw. getöteten Tieren stammt. Kein Fleisch, kein Fisch oder keine Meeresfrüchte, auch tierische Produkte wie beispielsweise Gelatine essen viele vegetarische Menschen nicht. Jedoch gibt es auch innerhalb der Vegetarier einige Unterschiede, so essen Ovo-lacto-Vegetarier auch Eier, Milch und Milchprodukte wie beispielsweise Käse oder Joghurt. Es gibt aber auch Menschen, die keine Eier essen und sich demnach lacto-vegetarisch ernähren. Milch und deren Produkte essen diese Leute aber auch. Der Hauptunterschied zum Veganer liegt darin, dass Veganer vollständig auf tierische Produkte verzichten. Sie ernähren sich rein pflanzlich und müssen auf alle tierischen Lebensmittel verzichten. Dies gilt nicht nur für Fleisch oder Fisch vom toten Tier, sondern auch für Milch, Eier oder Käse. Auch Honig, der ja von Bienen, also Tieren, produziert wird, essen sich vegan ernährende Menschen nicht.

Hilfe für veganes Kochen

 

"Was kann man denn dann noch essen?" ist keine seltene Frage, die Veganern gestellt wird. Hilfe bietet dabei die Vielzahl an veganen Kochbüchern, die es mittlerweile auf dem Markt gibt. Aufgrund der wachsenden Anzahl an Menschen, die vegan leben, ist auch das Angebot an vegetarischen und veganen Kochbüchern in den letzten Jahren stark gestiegen. So findet auch jeder Neu-Veganer ein passendes Rezept und kann seinen Bekannten - nicht zuletzt um Vorurteile abzubauen - ein köstliches Essen servieren.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung, vegan zu leben?

 

"Man ist, was man isst". Also ist man als Veganer ein Pflanzenfresser, Körnerkrümmler oder Tofutiger. Dies und mehr müssen sich Veganer häufig anhören, wenn sie bekennen, dass sie vegan leben. Dabei wird das Angebot an Fleisch- und Käseersatzprodukten von Tag zu Tag größer. Vegane Süßigkeiten erobern langsam aber sicher den Markt und auch vegane Restaurants, Cafés und Supermärkte vermehren sich. Längst ist klar, vegan leben ist kein Trend am Rande, sondern in der Gesellschaft angekommen. Klären Sie Ihr Umfeld über die Vor- und Nachteile des Veganismus auf und beseitigen Sie auf diese Weise eine Menge Vorurteile. Und wer weiß, vielleicht überdenkt der ein oder andere Fleischesser seine bisherige Lebensweise doch und schwenkt um in eine vegane Richtung.